DAS BUCH
Neben ihr
Eine wahre Geschichte
Acht Wochen häusliche Sterbebegleitung. Eine Mutter, die bis zuletzt selbst bestimmt. Und eine Tochter, die versprochen hat zu bleiben.
„Neben ihr“ erzählt eine wahre Geschichte über Pflege und Abschied, Angst und Erschöpfung – aber auch über einen Alltag, in dem gelacht, geschunkelt, gebügelt und weitergelebt wird, während der Tod längst mit im Raum sitzt.
Veröffentlichung am 01.10.2026
Zwischen Lachen, Angst und Abschied
Sie sitzt neben ihr, schläft kaum, pflegt, organisiert und hält aus. Zwischen Angst und Nähe, Erschöpfung, kuriosem Alltag und schwarzem Humor bleibt ihre Mutter bis zuletzt ganz sie selbst.
Geschrieben wird nicht, weil ein Buch entstehen soll. Sondern weil das, was geschieht, irgendwohin muss.
8
Wochen neben ihr
WORUM ES GEHT
Sie will nach Hause
Operation, Chemotherapie, künstlicher Darmausgang – sie lehnt alles ab.
Die Ärztin spricht von Tagen bis wenigen Wochen. Sie warnt vor einem möglichen Darmverschluss und einem qualvollen Tod. Operation, Chemotherapie oder künstlicher Darmausgang: Ihre Mutter lehnt alles ab. Sie will nach Hause.
Ihre Tochter nimmt sie mit und verspricht, bei ihr zu bleiben. Aus den angekündigten Tagen werden acht Wochen, in denen jederzeit alles kippen kann. Zwischen Infusionen, Medikamentenplänen, Angst und Erschöpfung geht der kuriose Alltag einfach weiter. Die Mutter räumt heimlich die Matratzen ihrer Tochter weg, steht nach zwei fast vollständig verschlafenen Tagen plötzlich am Bügelbrett und ist fest entschlossen, den Medizinstudierenden, denen sie ihren Körper vermacht hat, wenigstens schöne Füße zu hinterlassen.
Während die Tochter organisiert, pflegt und wacht, führt die Mutter weiter Regie: über ihren Alltag, ihre Würde und ihr Sterben.
„Neben ihr“ erzählt von einer häuslichen Sterbebegleitung und einer Mutter-Tochter-Beziehung, in der Liebe nicht immer leise ist und Abschied nicht nur traurig. Nah, ungeschönt und getragen von schwarzem Humor.
„Neben ihr“ basiert auf den tatsächlichen Ereignissen dieser Monate. Orte, Gegenstände und Situationen sind real, die menschlichen Dialoge wurden nicht nachträglich erfunden. Auch die widersprüchlichen Seiten dieser Zeit bleiben stehen: Angst neben schwarzem Humor, Überforderung neben Normalität, Nähe neben Abschied.
Das Buch beginnt nicht erst mit der Sterbebegleitung zu Hause. Es setzt an Heiligabend ein, als noch niemand weiß, was wenige Wochen später geschehen wird, und folgt der Geschichte über Diagnose, Entscheidungen und die acht Wochen zu Hause bis über den Tod hinaus.
Eine wahre Geschichte –
Nichts wurde hinzugefügt oder verändert, um die Geschichte dramatischer zu machen. Sie war dramatisch genug.
Leseprobe
PROLOG
Ich starre auf ihren Mund
Das Zimmer ist ein Zweibettzimmer. Rechts stehen die Betten, daneben die abschließbaren Schränke mit kleinen Tresoren drin, für die Wertsachen. Alles sichtbar benutzt. Die Möbel wirken alt, als hätte sich hier seit Jahrzehnten nicht viel verändert. Der Fernseher hängt gegenüber, oben an der Wand, so ein total vergilbtes Röhrending. Das Tastentelefon, vermutlich noch aus den 80ern, steht auf dem Sims über dem Bett. In der Schublade ihres Nachttisches, so einer aus Metall mit ausziehbarem Tablett, liegt eine komplizierte Anleitung, wie man mit dem Telefon Fernseher und Radio bedienen kann. Dinge, die noch funktionieren, aber nicht mehr wirklich in die Zeit passen.
Rechts neben der Tür ist eine Nische mit Waschbecken, Spiegel und Handtuchleiste, abgetrennt durch Lamellen. Man kann hindurchsehen. Privatsphäre ist hier eher ein Kompromiss als ein Zustand. Dusche und Toilette sind draußen auf dem Flur. Die teilen sich jeweils zwei Zimmer.
Es riecht ein bisschen muffig. Nicht stark. Aber konstant. Ich lasse meistens die Tür offen, damit wenigstens etwas Luft reinkommt. Das Fenster lässt sich nicht kippen, nur ganz öffnen. Draußen ist es Winter. Minusgrade im zweistelligen Bereich. Scheißekalt. Wenn ich es aufmache, zieht sofort Kälte herein, und meine Mutter zieht die Schultern hoch. Also bleibt es meistens zu. „Die Heizung geht nicht“, bemerkt sie ein bisschen bockig. Ich erkläre ihr, dass sich der Heizkörper runterschaltet, wenn die Raumtemperatur erreicht ist. „Nein“, erwidert sie. „Die ist immer kalt. Die ist kaputt.“
Sie friert tatsächlich. Ich sehe es an ihrer Körperhaltung und frage, warum sie sich nicht in ihre Zudecke einwickelt. Weil die ins Bett gehört und nicht auf den Stuhl. Logisch. Ich merke mir, dass ich ihr etwas von zu Hause mitbringen muss. Eine Strickjacke. Vielleicht eine Kuscheldecke. Irgendetwas, das wärmt und nicht nach Krankenhaus aussieht.
Ich sitze ihr gegenüber an dem kleinen Tisch vor dem Fenster. Es ist nicht viel Platz zwischen uns. Eigentlich könnte man sich normal unterhalten. Eigentlich. Sie erzählt etwas. Ich nicke. Antworte sogar. Aber ich könnte nicht sagen, worüber wir gerade sprechen. Mein Blick ist woanders. Er bleibt an ihrem Mund hängen.
Mir fällt auf, dass ich starre. Immer wieder sehe ich dorthin, obwohl ich versuche, es nicht zu tun. Sie merkt es zum Glück nicht.
Als ich vorhin aus dem Fahrstuhl stieg, klingelte im Flur vor der Station mein Handy. Nadine. Die Freundin meines Neffen. Sie heult. „Ich komme gerade von deiner Mutter“, sagt sie. Und bevor ich überhaupt fragen kann, wirft sie dieses Wort in den Raum.
„Sie hat das Todesdreieck.“
ZUR ENTSTEHUNG
Dieses Buch war nicht geplant.
Während der Sterbebegleitung entstand ein Chatverlauf von ungefähr sechshundert Seiten – Fragen, Antworten, Angst, Einordnen, Sortieren, Abladen. Ein Tagebuch, nur nicht in einem Heft, sondern in einem Fenster auf dem Laptop.
Erst in den letzten Tagen begann ich Teile davon noch einmal zu lesen. Daraus entstand der Gedanke, diese Wochen aufzuschreiben. Die Gespräche mit ChatGPT wurden für das Buch gekürzt und teilweise verdichtet; sie zeigen, welche Informationen, Einordnung und welchen Halt ich damals gesucht habe.
Einige Erinnerungen und Gefühle rund um meine Mutter sind nicht nur in dieses Buch, sondern auch in Songs eingeflossen.
Musik zum Buch
Die Geschichte klingt weiter.
BUCHDATEN
Neben ihr
Ich bleibe, bis du gehst
Autorin
Susanne Jurchen
Ausgabe
1. Auflage 2026
Verlag
BoD · Books on Demand
Format
13,5 × 21,5 cm
Umfang
360 Seiten
ISBN - Paperback
978-3-69676-272-8
ISBN - Hardcover
978-3-69676-278-0
ISBN - E-Book
978-3-69678-663-2
Veröffentlichung
01. Oktober 2016